Hundertjähriges Fachwerkhaus ist Blickfang an der Poststraße

Einst wurden hier auch Zigarren aus Lehrter Kraut gedreht

Es steht nicht unter Denkmalschutz, ist aber durchaus schutzwürdig, das im Fachwerkstil erbaute Wohnhaus an der Poststraße Nr. 13 in Lehrte. Eigentümer ist seit gut zwei Jahrzehnten der Kaufmann Johannes Moik, der das rund 100 Jahre alte Haus mit Geduld und so mancher hart erarbeiten Mark zu einem Schmuckstück rausgeputzt hat. Nichts erinnert mehr an den dicken Kalkaufstrich, der das Haus viele Jahre lang verunzierte. Wer der Sünder war, der seinerzeit das Fachwerk einfach unter einer Putzschicht verschwinden ließ, lässt sich nicht mehr genau sagen. Vermutlich hatte Ruß der in unmittelbarer Nachbarschaft vorbei dampfenden Lokomotiven dem Mauerwerk so zugesetzt, dass der Besitzer meinte, eine Mörtelschicht wäre besser als eine Reinigung der Balken.

Fachwerkhaus

Ein Blickfang am Rande der Poststraße ist das hundertjährige Fachwerkhaus, vor allem auch dann, wenn sommertags blühende Geranien die schmucke Giebelwand zieren.

Obwohl das Fachwerkhaus eines der Jüngsten aus alter Zeit an der heutigen Poststraße/Bundesstraße 443 ist, gibt es kaum Unterlagen mit genauen Daten. Eine Notiz in einer Bauakte aus dem Jahr 1902 lässt vermuten, dass Maurermeister Heinrich Strüber, der in Zusammenarbeit mit Stadtbaumeister Max Huguenin sowohl an der Burgdorfer- als auch an der Poststraße mehre Hochbauten errichtet hatte, einst das Fachwerkhaus als Geldanlage für sich erbauen ließ. Und ein weiterer Vermerk besagt, dass er 1910 die untere Etage umbaute. Vermeintlich auf Wunsch einer Zigarrendreherei, die eine Zeitlang dort spezielle Zigarren herstellte, auch aus echtem Lehrter Kraut. Sie sollen eine gute Qualität gehabt haben und fanden insbesondere bei den Eisenbahnern enormen Absatz, zumal es auch möglich war, Zigarren dort in Handarbeit nach Maß zu bestellen.

Etliche Jahre war die Familie August Braun Eigentümer des Hauses, wie seine Nachfahren berichten, die bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg noch an der Poststraße wohnten. Danach erwarb der Lehrter Schlachtermeister Karl Wolfes das alte Haus, das er später im Rahmen des Erbausgleichs seiner Tochter Christa Detert vermachte, die es 1980 an die Kaufmannsfamilie Monika und Johannes Moik verkaufte.

Fachwerkhaus

Ein besonderes Schmuckstück ist das schmiedeeiserne Giebelband, mit dem der Hausherr seine Vorliebe für alte Handwerkskunst zum Ausdruck bringt.

Johannes Moik, der an der Burgdorfer Straße eine Imbissstube nebst Partyservice betreibt, nutzte in den vergangenen Jahren jede freie Minute, um das von Schiene und Straße stark eingestaubte Gebäude zu reinigen. Als er den Verputzt abgeklopft hatte, kam ein noch erstaunlich gut erhaltenes Fachwerk zutage. Das baufällige Dach ließ er abtragen und durch ein neues ersetzen, um sein Knusperhäuschen an der Hauswand eines mehrstöckigen Hochhauses dem niedersächsischen Baustil anzupassen. Handwerklich geschickt, säuberte der gelernte Schlosser Fugen und Balken, ersetzte hier und da brüchiges Fachwerk und stabilisierte die Innenwände, so dass sich heute hinter der schmucken Fassade vier modernisierte Wohnungen befinden. Dort möchte er sich eines Tages auch zur Ruhe setzen. Entstanden ist ein Blickfang am Rande der tristen Poststraße, der besonders ins Auge fällt, wenn sommertags unzählige blühende Geranien die Giebelwand schmücken.

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