Bäckermeister Louis Eggers und sein Rhabarberkeller

Bürgermeister Claus von Borcke – noch taufrisch im Amt – konnte sich erst nach mehrmaliger Prüfung der Unterlagen entschließen, einem Bauantrag von Bäckermeister Louis Eggers zuzustimmen. Immerhin war es außergewöhnlich, weit weg vom eigentlichen Stadtgebiet am Waldrand der Hohnhorst ein mehrgeschossiges Wohnhaus zu errichten, obwohl nur ein Feldweg dorthin führte. Schließlich erteilte der Magistrat mit Wirkung vom 30. Januar 1902 die Baugenehmigung, zumal auch Stadtbaumeister Max Huguenin keine Bedenken hatte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Meister Eggers seinen erlernten Beruf längst an den Nagel gehängt, zumal er von seinem Vater her noch eine kleinen Bauernhof geerbt hatte, dem er sich ebenfalls mit großer Hingabe widmete. Doch von Anfang an hatte er vermutlich ein Ausflugslokal im Auge, denn bereits Anno 1911 ließ er seinem Haus von Maurermeister Gustav Eschemann eine Veranda anbauen und eröffnete eine Gastwirtschaft mit angegliedertem Kaffeegarten. Gebacken wurde fortan nur noch Plattenkuchen, belegt mit Äpfeln und anderen Früchten aus dem Garten. Für hungrige Gäste hatte Mutter Eggers stets etwas Besonderes aus der hauseigenen Schlachterei parat.

Rhabarberkeller am Hohnhorstsee

Gute Handwerksarbeit offenbaren nicht nur die Vorderseite des Hauses, das vor rund 100 Jahren errichtet wurde, sondern auch ein Blick hinter die Fassade.

War es die Aussicht mitten im Winter ein Stück Kuchen mit frischem Rhabarber verzehren zu können oder die Aussicht auf einen deftiger Grog nach geheimen Eggerschen Rezept. Auf jeden Fall hatte der „alte Louis“ selbst bei Schnee und Eis stets ein volles Haus, zumal auch hin und wieder zum Tanz aufgespielt wurde. Den Rhabarber baute Eggers übrigens im Keller unter der Hausveranda an, den er wintertags mit Hilfe von Heizungsrohren wohlig warm hielt. Aus einem alten Wirtschaftsbuch geht hervor, dass Eggers seinen Winterrhabarber nebst Äpfeln von seiner eigenen Plantage auch an Kunden in Königsberg und Magdeburg versandte.

Das im Backsteinstil errichtete Haus steht zwar nicht unter Denkmalschutz, ist aber durchaus schutzwürdig. Trotz zahlreicher Umbauten ist zu erkennen, insbesondere an den Fenstern, dass Max Huguenin nicht nur als Stadtbaumeister, sondern auch als Architekt hier mitgewirkt hatte. Zu Beginn der 50er Jahre setzten sich die alten Eggers zur Ruhe, so dass im Laufe der Zeit sich die unterschiedlichsten Mieter die Türklinke in die Hand gaben – meist Gastronomen. Inzwischen hat Rainer Eggers Haus und Hof seines Großvaters übernommen. Apfel- und Rhabarberkuchen gibt es dort nicht mehr, auch keine Live-Musik. Aus Gastwirtschaft und Kaffee sind wieder schmucke Wohnungen geworden.

Eines der schönsten Fachwerkhäuser mit dem Charme einer Hazienda

Als Alfred Prüßen-Bähre seine Else heiratete, verlosch der Name der alten Patrizierfamilie Ehlers-Bödeker an der Osterstraße. Sohn Fabian bewahrt das Erbe hinter dem Pflug.

Eines der schönsten 4-Ständer-Häuser mit dem Charme einer spanischen Hazienda ist jenes an der Osterstraße 5 im alten Lehrter Dorf, das vor 157 Jahren erbaut wurde. Da den Giebelbalken des Wohnhauses weder Inschrift noch Namen zieren, lässt ein Blick in die Ahnentafel vermuten, dass Heinrich Conrad Wilhelm Bödeker es errichten ließ, nachdem er Anfang des 19. Jahrhunderts Dorothee Christine Louise Molsen geheiratet hatte.

Lehrte Bähre

Eins der schönsten Fachwerkhäuser im Lehrter Dorf ist das der Familie Bähre, das besonders durch eine außergewöhnliche Fassade auffällt. Es wurde 1848 erbaut.

Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor, fünf Söhne und drei Töchter, die der Bödekerlinie in Lehrte auf unterschiedlichen Posstionen zu weiterem Ansehen verhalfen. Der letzte Bödeker auf dem Hof war Wilhelm Ehlers- Bödeker, der den eigentlichen Erben, seinen 1944 gefallenen Sohn Wilhelm, um drei Jahre überlebte. Als Tochter Else Ehlers-Bödeker 1947 Alfred Prüßen-Bähre heiratete, der übrigens drei Hofstellen mit in die Ehe brachte, verschwand der Name Bödeker aus dem Verzeichnis des unter der Nr. 2 im Brandkataster geführten Hofes, der heute noch zu den größten landwirtschaftlichen Betrieben der Stadt Lehrte zählt.

Das 1848 erbaute und oft bestaunte Fachwerkhaus steht zwar nicht unter Denkmalschutz, ist aber mit seiner außergewöhnlichen Fassade durchaus schutzwürdig. Und vertraut man dem Zimmermann, der sich mit Jahreszahl 1823 in einen Balken der inzwischen abgerissenen Scheune verewigt hat, so muss schon früher ein Haus an dieser Stelle gestanden haben. Alte Höltingsprotokolle beweisen, dass die Bödekers seit Anno 1440 in Lehrte ansässig sind. Stolz sind die jetzigen Eigentümer Wilhelm Bähre und Ehefrau Marita, geb. Mund, auch darauf, dass ihr ältester Sohn Fabian als Landwirtschaftsmeister weiterhin das Erbe hinter dem Pflug bewahren will.

Patrizierfamilien mit verbrieften Rechten der Freien in Lehrte

Der Stammbaum der Bähres ist tief verwurzelt im Lehrter Dorf. Blättert man in vergilbten Folianten, dann finden wir bereits Ende des 17. Jahrhunderts einen Ackermann Bähre, der das verbriefte Recht der Freien besaß, sein eigen Grund und Boden zu verkaufen, zu vererben oder durch Heirat teilen zu lassen. Im Laufe der Jahre vergrößerte sich nicht nur die Familie der Bähres, sondern auch deren Grundbesitz. Auch Kötner Heinrich, Friedrich, Wilhelm, Karl Prüßen-Bähre – gerufen Wilhelm.-. hatte es unter den Reihenstellenbesitzern zu etwas gebracht und so manchen Golddukaten auf die hohe Kante gelegt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Reihenstellenbesitzer Alfred Prüßen-Bähre drei Hofstellen mit in die Ehe brachte, als er Else Ehlers-Bödeker heiratete. Die Wurzel der Bödekers finden wir im Raum Hildesheim, wo sie alten Handwerker- und Patrizierfamilien angehörten und als bischöfliche Beamte und Kaufleute zu großem Ansehen gelangten. Zwischen 1400 und 1700 wanderten sie zu Scholle zurück, insbesondere auch in den Raum Lehrte, wo sie als Freie unter den Welfen mit ansehnlichen Lehen bedacht wurden. Von Bedeutung ist hier der Lehnsbrief von Wilhelm IV., König von Großbritannien, König von Hannover und Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, zu Händen von Johann Heinrich Bödeker-Lampen, der als schreibkundiger Lehnsältester insgesamt 46 Vettern zu vertreten hatte. Er war der letzte Lehnsälteste der Lehnsfamilie Bödeker -Lampen-Ehlers, die von 1443 bis 1839 bestand.

„Flaschenpost“ lüftet Geheimnis um Findling

Ahltener mussten „ihre Beute“ wieder herausrücken / „Flaschenpost“ lüftet Geheimnis / Findling erinnert an „kriegerische Zeiten“

Eine hundertjährige Fotografie in der guten Stube des Landwirts Hans-Heinrich Prüße, die auch seinen Großvater Heinrich Lampe inmitten einer illusteren Gesellschaft zeigt, erinnert an einen Findling, um den es vor rund hundert Jahren beinahe zu „kriegerischen “ Auseinandersetzungen zwischen den Kriegervereinen Ahlten und Aligse gekommen wäre. Bei Anbruch der Nacht zum 10. Oktober 1913 hatten sich 35 Ahltener Bauern mit 14 Pferden, zwei Schlitten und einem Wagen mit Hebewerkzeugen auf den Weg in die Aligser Feldmark begeben, um einen Feldstein in Sicherheit zu bringen, den sie angeblich geschenkt bekommen hatten.

Findling

Dieser Stein wurde von 35 Ahltener Bürgern in der Nacht vom 9. zum 10. Oktober 1913
mit 12 Pferden aus der Feldmark Aligse nach Ahlten geschafft, um dort als
Erinnerungsstein an die vor 100 Jahren stattgefundene Völkerschlacht bei Leipzig
aufgstellt zu werden.

Auf Anregung des Hofbesitzers und Leutnants der Reserve Heinrich Edeler wollte der Kriegerverein im Einvernehmen mit der Gemeinde den Feldstein zum Bau eines Denkmals verwenden, das an die Befreiungskriege vor 100 Jahren erinnern sollte. Die Aligser planten das gleiche. Sie weigerten sich, auf den Stein zu verzichten – und so kam es zu einigen TurbulenzenFindling Aligse, über die man auch heute noch spricht. Mit Pauken und Trompeten wurde später schließlich vor dem Kadi Frieden geschlossen. Heute steht der umstrittene Findling auf dem sogenannten Brink am Rande der Bundesstraße 443 in Aligse.

Auf dem Brink am Rande der Bundesstraße 443 erinnert in Aligse der umstrittene Findling an die Befreiungskriege Anno 1813, insgeheim aber auch an jene mit dem Kriegerverein Ahlten.

Die ganze Geschichte kam noch einmal ans Tageslicht, als vor 45 Jahren im Verlauf der Ortsplanung an der Ecke Wöhler-/Bahnhofstraße ein Denkmal umgesetzt werden musste. Dabei wurden neben Münzen auch eine Flasche Sekt sowie Zeitungen und vergilbte Schriftstücke ausgegraben. Den Sekt hatte seinerzeit der Kaufmann Heinrich Däwes gespendet und das Geld kam aus dem Portemonnaie von Heinrich Müller senior, der auch die Denkmalinschrift bezahlte. Die Steine des abgebrochenen Denkmals stehen jetzt vor der Ahltener Kapelle.

Interessant sind vor allem die ausgegrabenen Protokolle vom 26. September 1913, die einiges über die damals zerstrittenen Nachbarn verraten. Da ist die Rede davon, dass Ahlten derzeit 1600 Einwohner zählt und Hofbesitzer Hermann Barnstorf Gemeindevorsteher sei. An anderer Stelle heißt es, dass alle 14 Tage am Sonntagnachmittag ein Gottesdienst in der Kapelle gehalten wird, und zwar vom Hauptlehrer W.Korthöber, da Pastor Georg Weber aus Ilten nur dreimal im Jahr zum Heiligen Abendmahl nach Ahlten kommt. Weiter wird vermerkt, dass es bereits am Rande des Dorfes eine Haltestelle für die Staatsbahn von Hannover über Lehrte nach Berlin gibt sowie einen Anschluss an die Straßenbahn zwischen Haimar und Hannover.

Im Mittelpunkt der „Flaschenpost“ aber steht eine Schilderung um jenen umstrittenen Findling, den die Gemeinde Aligse den Ahltenern geschenkt haben sollte. Die Aligser konnten sich plötzlich nicht mehr an eine Schenkung erinnern und beschlossen, den Stein schnellstens in ihr Dorf zu holen. Das hatten die Ahltener spitz bekommen. Sie brachten bei Nacht und Nebel den Findling in Sicherheit. Doch die Freude währte nicht lange.

Die Aligser zogen vor Gericht und bekamen Recht, so dass die Ahltener „ihre Beute“ wieder herausrücken sollten. „Hoch zu Roß mit hämischer Freude und Militärmusik aus Celle“, so steht es im Protokoll, marschierten die Aligser in Ahlten ein, um im Triumphzug ihren Stein nach Hause zu holen. Der Ahltener Gemeindevorsteher aber weigerte sich, den Stein heraus zu geben, da das Gericht das Findling AhltenUrteil weder den Aligsern noch den Ahltenern schriftlich zugestellt hatte. Auch der herbeigerufene Gerichtsvollzieher musste den Ahltener Recht geben. Unverrichteter Dinge und nun von den Unterlegenen belacht, mussten die Aligser an diesem Tag abziehen.

Als Ersatz für den zurückgegebenen Aligser Findling erhielt die Ahltener einen neuen Stein, den Landwirt Friedrich Müller auf seinem Acker ausgraben ließ. Nach Abriß des Denkmals wurde dieser Stein und einige weitere zur Erinnerung am Rande der Ahltener Kapelle aufgestellt.

Später stellte sich heraus, dass der Hofbesitzer Friedrich Müller, Haus 83, einen ebenbürtigen Feldstein auf seiner Ackerkoppel vor dem Walde liegen hatte, den er jetzt zum Bau des Denkmals zur Verfügung stellte. Den Auftrag erhielt Maurermeister Heinrich Madeheim. Mit zweijähriger Verzögerung fand die Einweihung schließlich im Juni Anno 1915 Jahren statt. Nicht vermerkt ist, wann die Aligser ihren Stein endgültig in Besitz nehmen konnten. Er steht heutzutage am Rande der Straße zwischen Lehrte und Burgdorf inmitten des Dorfes und erinnert auch hier an die Befreiungskriege von 1813 bis 1815.

Barocke Saalkirche mit kleinem Geheimnis

Glocke mit dem Wappen der Lucia von Bortfeldt und des Arendt von Wobersnaw

Über die Dächer des Dorfes hinaus ragt der sagenumwobene Turm der St.-Ulrich-Kirche in Haimar, der in der guten alten Zeit Reisenden und Fuhrleuten als Orientierungspunkt diente. Aber auch heute noch richten sich immer wieder neugierige Blicke zur Kirchturmspitze, wenn Jutta Gieseke, die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, auf das rätselhafte kopfähnliche Gebilde neben der Kirchturmuhr hinweist. Niemand weiß so recht, wer dort seine Visitenkarte hinterlassen hat. Dreistöckig mit seinem viereckigen Helm ist er Glockenturm das Kernstück der barocken Saalkirche , die im Schatten von zwei uralten Eichen auf einem ehemaligen Friedhof am Rande der Mehrumer Straße steht.

Kirche St. Ulrich

Kirche St. Ulrich in Haimar, zwischen 1784 und 1788 erbaut.

Dort stand auch die um 1200 im romanischen Stil errichtete erste Kapelle des Dorfes, an die heute im Kirchenrund einige verwitterte Grabsteine aus jener Zeit erinnern. Das Patronat über diese erste Kapelle lag in Händen der Grafen von Haimar, die es Anno 1540 an die Familie von Rutenberg in Rethmar abtraten, da sie inzwischen nach Wernigerode im Harz übergesiedelt waren.

Dem Gottesshaus sieht man es nicht an, dass es bereits Jahrhunderte auf dem Buckel hat. In alten Folianten ist vermerkt, dass es zwischen 1784 und 1788 erbaut wurde, weil die zu diesem Zeitpunkt bereits über 500 Jahre alte Katrin RiedeKapelle baufällig geworden war und überdies nicht mehr genügend Platz für die Gläubigen bot. Immerhin hatte das kleine Dorf, das erstmalig 1117 urkundlich erwähnt wurde, im Verlauf der Hildesheimer Stiftsfehde zahlreiche Neubürger aufgenommen. Damals hatten marodierende Landsknechte die Dörfer Gilgen und Garmsen verwüstet, so dass es die Leute vorzogen, sich in Haimar anzusiedeln.

Katrin Riede restauriert in St. Ulrich.

Rund ein halbes Jahrtausend lang war die kleine Kapelle Mittelpunkt des Dorfes, das heute stolz auf seine 220 Jahre alte Saalkirche ist, die rund 500 Personen Platz bietet. Das auf einem Sandsteinsockel errichtete Kirchenschiff verfügt über sechs Fenster an der Nord- und Südseite, zwischen denen sich auf beiden Seiten ein Portal mit der Jahreszahl 1785 befindet. Die innere Farbgestaltung der Kirche lässt eine klare barocke Linienführung erkennen, die gerade wieder einmal stilgerecht in Beige, Weiß und Gold aufgefrischt wird. Die Restauratorin Katrin Riede hat bereits die richtige Farbmischung für einen naturgetreuen Glanz herausgefunden. Rund 38.000 Euro stehen für die derzeitigen Arbeiten zur Verfügung.

Eine Kostbarkeit ist neben dem Altar, der vermutlich aus der Werkstatt des Hildesheimer Meisters Heinrich Ochsenkopf stammt, ein hölzerner Taufständer, gleichfalls aus der Erbauungszeit der Kirche. Die Orgel im Stil des Neorokoko wurde 1885 in die Kirche eingefügt. Ein Kleinod an der südlichen Innenwand der Kirche ist ein geschnitztes Figurenensemble, das das letzte Abendmahl Christi im Kreise seiner Jünger darstellt. Dieses Kunstwerk wurde Anno 1661 in der Werkstatt von Curd Ochsenkopf in Hildesheim geschaffen. Es stammt noch aus der alten romanischen Kapelle.

St. Ulrich Jünger

Ein Kleinod ist das geschnitzte Figurenensemble, das das letzte Abendmahl Christi im Kreise seiner Jünger darstellt und anno 1661 in der Werkstatt von Curd Ochsenkopf entstand.

Freude hat die Gemeinde auch an dem Geläut ihrer beiden Kirchenglocken. Die ältere wurde 1621 von Dietrich Menken gegossen und hat einen Durchmesser von 1,25 m. Geschmückt wird sie von einem Ornamentstreifen und der Abbildung der vier Evangelisten. Auf der einen Seite des Glockenmantels finden wir ein Bild des Paulus mit dem Schwert und auf der anderen die Wappen des Arendt von Wobersnaw und der Lucia von Bortfeldt. Die kleinere Glocke von 1973 ist ein Geschenk der Kirchengemeinde von Oesselse.

Geheimnis unter Denkmalschutz

St. Ulrich BlitzschlagNa, haben Sie das Geheimnis gelüftet“ wollte der verschmitzt lächelnde 71jährige Otto Sagebiel wissen, der in der Nachbarschaft der Kirche einen Bauernhof besitzt. Gemeint war der steinerne Kopf in Nähe der Kirchturmsuhr. Im Dorf geht seit alters her die Sage um, dass der kleine barocke Knabenkopf an der Nordseite des Kirchturms der eines Einbrechers sei. Der Junge wurde beim Einbruch vom Pastor überrascht und auf der Flucht im Turm vom Blitz erschlagen. Dabei versteinerte sich sein Kopf, so dass dieser für alle sichtbar an der Turmwand hängen blieb. Andere behaupten, ein Baumeister habe dort unübersehbar seine Visitenkarte hinterlassen. Übrigens, nicht nur die Kirche steht unter Denkmalschutz, sondern auch die beiden Eichen an ihrer Seite und ebenso das Wohnhaus benachbarten Bauernhofes des Landwirts Sagebiel.

Am Thieplatz steht eines der ältesten Fachwerkhäuser des Dorfes

In Tubbes Krughof ist die Zeit stehen geblieben / Mit rassigen Hannoveranern unterer einem Dach

Zu den ältesten und schönsten Niedersachsenhäusern des Dorfes Ilten zählt der Tubbenhof am Nordende Nr. 1, der auch als Krughof in der ehemaligen Amtsvogtei von großer Bedeutung war und heute zur Stadt Sehnde gehört. Er liegt am Rande des alten Thieplatzes im Schatten zweier Linden, die ebenso alt sein dürften wie das Haus selbst, das 1791 errichtet wurde und unter Denkmalschutz steht.

Hof Tubbe

Zu den ältesten und schönsten Niedersachsenhäusern des Dorfes zählt Tubbes Dorfkrug, in dem vor etwa 200 Jahren auch Treffen der Freien und Gerichtsverhandlungen stattgefunden haben.

Aber es ist nicht nur die stilecht erhaltene Fassade, die den Tubbehof beachtenswert macht, der um 1540 von dem Kötner Hans Wemingk gegründet wurde. Er ist im Brandkataster unter der Nummer 31 registriert. Erbauen ließ dieses schmucke zwölf Meter breite und 24 Meter lange 2-Ständer-Haus vor 215 Jahren Joachim Heinrich Tubbe, der in zweiter Ehe mit Karolina Margaretha Wolfes verheiratet war. Nachfolger auf dem Hof wurde sein Sohn Johann Christoph, der Anna Katharina Dorothea Kracke aus Höver zur Frau genommen hatte. In Besitz der Tubbes war der Hof durch Joachim Tubbe gekommen, der laut Kaufvertrag von 1613 aus Hannover-Ricklingen nach Ilten gekommen war und hier am 25.Oktober 1648 Henning Webers einzige Tochter Ilse geheiratet hatte.

Stolze Besitzer sind nunmehr in zehnter Generation die Geschwister Ilsabe (56) und Wilhelm Tubbe (51),die Haus und Hof von ihren Eltern Wilhelm Tubbe und Ehefrau Gertrud Könneker geerbt haben. Ihr Lebensinhalt sind inzwischen reinrassige Hannoveraner, denen auch Ilsabes Sohn Christoph (30) jede freie Pferde TubbeMinute opfert. Die Äcker haben die Tubbes vor etwa 30 Jahren verpachtet. Immerhin besitzen sie noch genügend Grünland, um ihre Pferde gut versorgen zu können.

Die Landwirtschaft haben die Tubbes vor rund 30 Jahren aufgegeben, um sich der Zucht von reinrassigen Hannoveraner zu widmen, die – wie in alten Zeiten – mit ihnen unter einem Dach leben.

Ilsabe Tubbe ist inzwischen zum „Finanzminister“ des Tubbe-Krug-Hofes geworden, während sich ihr Sohn Christoph und Bruder Wilhelm um die vollblütigen Hannoveraner kümmern, die in Züchterkreisen große Aufmerksamkeit finden.

Leider, so alte Iltener, gibt es den Dorfkrug nicht mehr, der ebenfalls seit 1791 zum Thie gehörte. Er musste 1945 schließen, da kein Wirt mehr im HauseWilhelm Tubbe war. Doch wer das ansonsten kaum veränderte Haus betritt, wagt einen Schritt in die Vergangenheit. Knorrige Eichenbalken tragen mühelos ein solides Fachwerk, und vom Boden über der großen Diele zieht noch immer ein Duft von frischem Heu durchs Haus. Der Pferdestall an der einen Dielenseite wurde inzwischen zum Speicher. Holz lagert dort für den alten Kachelofen. Auf der anderen Seite wurden die Kühe ausquartiert und für Stuten und Fohlen ein neuer Stall geschaffen, in dem in einer gesonderten Box zwei Schweine grunzen. Nebenan gackern 14 Hühner, ein Hund wacht vor der Haustür und eine Katze geht auf Mäusejagd. An den geschichtsträchtigen Dorfkrug erinnert nur noch ein alter Steinkrug, aus dem das Bier aber genau so gut schmeckt wie vor hundert Jahren.

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