Krütz-Hof: Kreuzfahrer oder Kreuzritter als Namensgeber vermutet.

Früher gab es einen Ausschank und auch eine Ölmühle auf dem Krütz-Hof

Seit Hans-Heinrich Thiele sein väterliches Erbe an der Lehrter Straße 13 in Immensen landwirtschaftlich nicht mehr nutzt, erinnern heute nur noch zwei gut erhaltene Fachwerkhäuser, in denen einst eine Ölmühle und eine Gastwirtschaft untergebracht waren. an die wechselvolle Geschichte des rund 4oo Jahre alten Bauernhofes, der im Dorf auch Krütz-Bödecker-Hof genannt wird. Verschwunden ist auch ein benachbartes Anno 1799 erbautes Zwei-Ständer-Haus des ehemaligen Krütz-Hofes. Es musste vor 25 Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Teile des Fachwerks schmücken heute ein neues Niedersachsenhaus in Scherenbostel in der Wedemark.

Aus dem früheren Ausschank ist inzwischen ein schmuckes Wohnhaus geworden

Aus dem früheren Ausschank ist inzwischen ein schmuckes Wohnhaus geworden, dessen Vorderseite aus Fachwerk daran erinnert, das hier einmal bäuerliche Wirtsleute das Sagen hatten.

Der ehemaligen Immenser Schulrektor Adolf Meyer, der „sein Dorf“ kennt, wie kaum ein anderer, hat sich mit der komplizierten Geschichte des Krütz-Hofes befasst, der im Verlauf der Jahrhunderte Namen und Besitzer wie kaum ein anderer Hof im Dorf gewechselt hat. Ursprünglich befand sich der Krütz-Hof, der aus den Großen Kothöfen Nr. 9/17 entstanden ist, an der Bauernstraße 23 in Nähe der Kirche. Ein Schmuckstück ist auch dieses Kleiderschank aus dem Jahre 1887Er wurde etwa um 1875 ausgesiedelt, da es seinem damaligen Eigentümer dort zu eng geworden war und am Dorfrand gerade der in Konkurs geratene Hoppen-Hof zum Verkauf stand.

Hans-Heinrich Thiele hat so manches aufbewahrt, was ihm seine Ahnen in den über 200 Jahre alten Fachwerkhäusern hinterlassen haben. Ein Schmuckstück ist auch dieses Kleiderschank aus dem Jahre 1887, der darauf wartet, irgendwie genutzt zu werden.

Es heißt, Anfang des 16.Jahrhunderts war es vermutlich Andreas Langemann, der den ersten Kothof gründete. Später ist von einem Cord Kreuzträger die Rede. Man munkelt, er sei ein Kreuzritter gewesen. An anderer Stelle heißt es, er sei vermutlich im Verlauf des 30jährigen Krieges als Kreuzfahrer nach Immensen gekommen. Andere sprechen von einem Soldaten, der beim Landwirt Hans Bokemeier im Quartier war und später dessen Witwe ehelichte. Jener Cord gilt als Namensgeber für den Hof, obwohl sein Name nach seinem Tod Anno 1711 im Dorf nicht mehr auftauchte.

Was aus dem Krütz-Bödecker-Hof eines Tages wird, in den seit Vater Heinrich Wilhelm 1959 eingeheiratet hatte, ist ungewiss. Gewiss, der Vater war Bauer wie schon der Großvater, doch seine Urahnen waren Soldaten und hatten “ einen Marschallsstab im Tornister“. Sie brachten es von der Pike auf unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. bis zu Generälen. Hans-Heinrich Thiele sagt von sich, Solodatenblut fließt nicht in seinen Adern und auch Bauer sei nicht sein Ding. Er sei fest verwurzelt im Lehrter Stadtteil Röddensen, obwohl er im benachbarten Immensen eigentlich Zuhause sei, erklärte der gelernte Industrietechniker, der auch weiterhin seinem Beruf treu bleiben will.

Das Ackerland ist verpachtet, die Ölmühle wurde zum Geräteschuppen und aus dem Ausschank ein schmuckes Wohnhaus. Von meinen beiden Kindern ist keines bereit, eines Tages „hinter dem Pflug“ sein täglich Brot zu verdien. Sohn Tim-Christopher(25) möchte im kaufmännischen Bereich Kariere machen und Tochter Mareike (21)will Logopädin werden. So wird wohl eines Tages alles zu Geld gemacht, resümiert Hans-Heinrich Thiele, und schaut dabei etwas wehmütig hinauf zu den großen Eichen, in deren Schatten die Vergangenheit des Krütz-Hofes ruht.

Bereits vor über hundert Jahren galt in Immensen Gesetzestreue bis auf den letzten Regentropfen. Als Landwirt Heinrich Beinsen, dem damals der heutige Krütz-Hof gehörte, Anfang 1876 auf der Grundstücksgrenze am Straßenrand eine Scheune errichtet hatte, bot er an, längst der Straße an der Scheune eine Dachrinne anzubringen. Die Gemeinde sagte nein und bestand darauf, dass laut Grenzbebauung der Tropfenfall genau auf der Grenze bleiben musste. Also gab es keine Dachrinne!

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