Rätsel um alten Wappenstein gelöst

Vor rund 50 Jahren entdeckten Bauarbeiter eine verschollene Grabkammer unter alten Kirchenmauern

Interessierte Uetzer Bürger stehen vor einer verschlossenen Tür, wenn sie den Wunsch haben, einen Blick in die Adelsgruft derer von Lüneburg unter der ev.-luth. Kirche in Uetze zu werfen. Der Zugang wird ihnen verwehrt – und das schon seit vielen Jahren. Der Schlüssel zur Gruft liegt wohl verwahrt bei der Adelsfamlie des Baron von Reden. Was sie erblicken, ist ein Adelswappen am Eingang zur Gruft, dessen Bedeutung auch heute noch vielen Betrachtern Rätsel aufgibt. Die Inschrift erinnert an Agnesa Juliana von Lüneburg und ihren Ehemann Obrist-Lieutnant Moritz von Haxthausen, deren Grabstätte seit dem Kirchenbrand von 1863 verschollen war. Durch Zufall wurde ihre Gruft vor 50 Jahren wieder entdeckt.

Agnesa Juliana von Lüneburg (Bild: T. Luhm)

Ein kunstvoll verziertes Wappen mit den Namen der Agnesa Juliana von Haxthausen ziert den Eingang zur Gruft der Adelsfamilie zu Lüneburg, deren Toten seit Jahrhunderten unter der Kirche in Uetze bestattet wurden. (Bild: T. Luhm)

Erschrocken waren die Arbeiter, als sie beim Ausschachten eines Kanals unter der Kirche plötzlich auf ein unbekanntes Gewölbe stießen. Im Schein eines aufflackernden Streichholzes erblickten sie zwei zerfallene Särge und verblichene Gebeine. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine seit über hundert Jahren verschollene Gruft handelte, die nach dem Kirchenbrand irgendwie verschüttet gegangen war. Sie hatten die Gebeine des Obrist-Lieutnant Moritz Hermann von Haxthausen und seiner Gemahlin Agnesa Juliana geb. von Lüneburg wieder gefunden. Der zu Rat gezogene Schwiegersohn des letzten Herrn von Lüneburg, Baron Henning von Reden auf Rittergut Wathlingen, half das Rätsel zu lösen. Aufgefunden wurden ein kunstvoll gearbeitetes Kruzifix, Stücke eines Seidenkleids und Sargbeschläge in Form von bronzenen Löwenköpfen. Auch ein bleierner Schildstreifen mit der Aufschrift Agnesa Juliana und ein teilweise noch farbiges Doppelwappen kamen ans Tageslicht. Die eine Schildhälfte zeigte das Wappen des Lüneburger Löwen, umgeben von roten Herzen, die andere Hälfte das Zeichen des westfälischen Adelsgeschlechts derer von Haxthausen, eine schräg liegende Wagenflechte.

Inzwischen ist über die alte Gruft “längst Gras gewachsen” und nur der steinerne Torbogen mit der symbolträchtigen Inschrift erinnert daran, dass hier Adlige aus der Uetzer Patronatsfamilie ihre letzte Ruhe gefunden haben, unter ihnen auch Baron Henning von Reden. Das wertvolle Kruzifix durfte die Kirchengemeinde behalten. Wo es geblieben ist, weiß auch Pastorin Heidrun Kück-Witzig nicht.

In Familienpapieren geblättert
Über Agnesa Juliana von Lüneburg ist aus dem Uetzer Kirchenbuch zu erfahren, dass sie als Witwe in Celle gelebt hatte und am 21. Oktober 1743 gestorben war. Am 22. November 1743 wurde sie in dem Erbbegräbnis unter der Uetzer Kirche neben ihrem Mann beigesetzt. Mit 30 Jahren hatte Agnesa Juliana von Lüneburg den hochfürstlichen braunschw. Lünebg. Obrist-Lieutnant Moritz von Haxthausen geheiratet. Das Paar wohnte in Celle, wo Haxthausen nach 20 Ehejahren verstarb. Aus dem Register der Celler Stadtkirche geht hervor, dass der Verstorbene am 10. Dezember 1701 nach Uetze gefahren und “daselbs beygesetzet” wurde.

Unter der Kirche in Uetze ruhen vor allem auch die sterblichen Überreste der Stammmutter des Geschlechts derer von Lüneburg, der 1582 geborenen und am Johannistage 1650 verstorbenen Ilse Schmiedichen. Die “schöne Ilse”, Tochter des herzoglichen Amtmanns Hans Smedeke aus Fallersleben. Sie hatte zwischen 1608 und 1621 dem Herzog August zu Lüneburg, der 1610 zum Bischof des evangelisch gewordenen Bistums zu Ratzeburg gewählt wurde, zwölf Kinder geboren, von denen drei bald starben. Drei Söhne und sechs Töchter wurden zusammen mit ihrer Mutter unter dem Namen “von Lüneburg” zu Wien am 9. Juli 1825 von Kaiser Fran z Ferdinand II. in den Reichsadelsstand erhoben und legitimiert.

© Lothar Rolf Luhm.
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