Lehrter Matthäus-Gemeinde trennte sich lieber von ihren Pastor als von ihrem Gotteshaus

Anno 1976 fürchtete die Lehrter Matthäusgemeinde, dass die klingenden und schwingenden Glocken von St. Matthäus den Kirchturm zum Einsturz bringen könnten, zumal laufend Steine aus der Turmspitze herab fielen und auch das Mauerwerk des Gotteshauses bedenkliche Risse aufwies. Pastor Hartwig Hohnsbein machte damals (2001) dem Kirchenvorstand den Vorschlag, die Kirche abzureißen oder in eine Markthalle umzuwandeln. Doch die Matthäusgemeinde trennte sich lieber von ihrem Pastor als von der Kirche. Rettung kam von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, die mit rund 30000 DM das seinerzeit  100jährige Gotteshaus restaurieren half.

Mit Herrn Busse im Glockenturm

Die beiden eisernen Glocken haben einen Ehrenplatz vor der Matthäuskirche erhalten.

Heute fällt kein Stein mehr aus der 49 Meter hohen Kirchturmsspitze – die Gefahr ist gebannt. Jetzt waren es zwei der drei Glocken, die herab zufallen drohten. Die zwei beanstandeten Glocken sind eiserne „Nachkriegskinder“, die erst 1948 den Weg nach Lehrte fanden, und zwar als Ersatz für jene aus Bronze, die 1940 abgeholt, eingeschmolzen und zu Kriegsmaterial verarbeitet wurden. Sachverständige hatten festgestellt, dass das Material von den beiden beanstandeten  Glocken müde geworden war und zerspringen könnte. Überall in den Gehäusen hatte sich Rost gebildet und im Guss selbst zeigten sich Luftblasen.. Es kann aber auch noch ein Weilchen gut gehen, meint  damals Pastor Bernd Böhme. Doch auch er plädierte dafür, den Warnungen der Fachleute Gehör zu schenken, denn die Eisernen wurden aus allerlei Schrott zusammengebraut.

Gedenktafel an der Matthäuskirche

Eine bronzene Tafel am Kirchenportal macht darauf aufmerksam, daß die Matthäuskirche ein kulturhistorisches Bauwerk ist.

Da diesmal die Landeskirche keinen Zuschuss bewilligte, muss die Gemeinde die Kosten allein aufbringen. Rund 40 000 Euro waren für die das neue Geläut erforderlich, das harmonisch abgestimmt mit den Glocken von St. Markus im Gleichklang ertönen sollte. Mit Hilfe ihrer Konfirmanden bekam die Matthäusgemeinde das Geld zusammen. Den Auftrag erhielt die Glocken- und Kunstgießerei Petit & Gebrüder Edelbrock in Gescher. Die große Glocke wird 1100 kg wiegen und einen Durchmesser von 123 cm haben und die kleine 600 kg wiegen mit einem Durchmesser von 100 cm.

Mitte September 2004 wurden die neuen Glocken mit einem festlichen Umzug der Bevölkerung vorgestellt und anschließend montiert. Jetzt hängen die Glocken bereits im Turm, geweiht und gestimmt, so dass sie fortan zum Lobe Gottes ertönen.  Das geschah zum erste Mal am Tag der Deutschen Einheit, am Erntedankfest am 3.Oktober –  2004 – im Gleichklang mit jenen der Markuskirche.

Die ersten zwei Glocken für die Matthäuskirche wurden 1874 in Leipzig gegossen und kosteten, einschließlich Glockenstuhl, insgesamt 6.456,85 Mark. Auch diesen drohte schon seinerzeit Unheil. Bereits am 10. März 1917 sollten sie auf Befehl des Generalkommandos Berlin beschlagnahmt werden, was Pastor Eggers aber verhindern konnte. Doch am 20. April im Kriegsjahr 1940 mussten die Glocken als „Führerspende“ für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Als Dankeschön erhielt die Gemeinde ein Schreiben von Generalfeldmarschall Hermann Göring, das für die Gemeinde leider keinen Pfifferling wert ist.

Schreibe einen Kommentar