Um Mitternacht den Iltener Dorfkrug gekauft

Man sieht es dem schmucken Fachwerkhaus an der Wilhelm-Dörries-Straße No 1 nicht an, das es schon über 400 Jahre alt ist. In blütenweißem Gewand ist es von schlichter Schönheit, Ortsbild prägend für diesen nördlichsten Sehnder Stadtteil. Erbauen ließ es um 1590 Amtvogt Hans Schlüter-Tietz, dem der Salhof der Ziegenmeiers schon lange ein Dorn im Auge war. Er plante für seine Sippe einen ebenso repräsentativen eigenen Salhof, der seines Amtes angemessen war.

Die Erfüllung seines ehrgeizige Plans erlebte er nicht mehr. Er starb 1592, so dass seine Witwe Elisabeth Schlüter sein Werk vollenden musste. Nach ihrem Tod anno 1600 wechselte der Salhof, der im Brandkataster die Nummer 45 trägt, mehrfach den Besitzer.

Salhof Sicht von der Straße

Es ist von schlichter Schönheit und Ortsbild prägend, das historische Fachwerkhaus an der Wilhelm-Dörries-Straße Nr.1.

Den Schlüters folgten Amtvogt Daniel Jordens und Oberstleutnant Karl von Ilten, dessen Witwe heiratete Major von Bessel, der den Salhof später an den Landeshauptmann Milchior Christoph Oldenburger verkaufte.

Seit 1830 gehören Haus und Hof den Dörries. Trinkfest und erdverwachsen seien seine bäuerlichen Vorfahren gewesen, weiß Burghart Dörries,  insbesondere jener Vollmeier Heinrich Dörries. Einmal, so erzählt man sich, habe dieser mit seinem Freund Heinrich Rogge im Dorfkrug beisammen gesessen, bis Wirt Tubbe schließlich Feierabend gebot. Das passte den beiden gar nicht und sie kamen auf die Schnapsidee, den Krug sofort zu kaufen, um weiter Bier und Schluck genießen zu können. Gegen Mitternacht wurden sie handelseinig. Doch am anderen Morgen kam der Katzenjammer. Es bedurfte vieler guter Worte und dazu noch eines goldenen Zubrots, bevor der Wirt sich entschloss, den Kauf rückgängig zu machen.

Burghart Dörries mit Dielenstück

Ein Schmuckstück in der Wohnung von Burghart Dörries ist ein gerahmtes Dielenstück, das daran erinnert, dass 1883 der Fußboden im Fachwerkhaus erneuert wurde.

Dreißig Jahre später übergab Ur-Ur-Großvater Heinrich den Salhof seinem damals 15jährigen Sohn Wilhelm, der später als Gemeindevorsteher in Ilten zu Ehren kam. Nach ihm wurde die Straße vor seinem Hause benannt.

Heute ist Burghart Dörries Herr im Hause des ehemaligen Salhofes, in dem seit drei Generationen Apotheker zuhause sind. Unterstützt wird er bei der Pflege seines Erbes von Ehefrau Liane, geb. Schanz, die auch dafür sorgt, dass die insgesamt rund 1000 qm umfassenden Zimmer immer bewohnbar sind, auch wenn ihre fünf Kinder nur zeitweise nach Hause kommen.

Ein Blick hinter die Fassade des einst herrschaftlichen Hauses offenbart, dass sich nicht nur die knorrigen Eichenbalken in einem guten Zustand befinden. Auch das Fachwerk und die Holzfenster wurden sorgfältig restauriert, alles freiwillig, denn das Haus steht nicht unter Denkmalschutz.

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