„Flaschenpost“ lüftet Geheimnis um Findling

Ahltener mussten „ihre Beute“ wieder herausrücken / „Flaschenpost“ lüftet Geheimnis / Findling erinnert an „kriegerische Zeiten“

Eine hundertjährige Fotografie in der guten Stube des Landwirts Hans-Heinrich Prüße, die auch seinen Großvater Heinrich Lampe inmitten einer illusteren Gesellschaft zeigt, erinnert an einen Findling, um den es vor rund hundert Jahren beinahe zu „kriegerischen “ Auseinandersetzungen zwischen den Kriegervereinen Ahlten und Aligse gekommen wäre. Bei Anbruch der Nacht zum 10. Oktober 1913 hatten sich 35 Ahltener Bauern mit 14 Pferden, zwei Schlitten und einem Wagen mit Hebewerkzeugen auf den Weg in die Aligser Feldmark begeben, um einen Feldstein in Sicherheit zu bringen, den sie angeblich geschenkt bekommen hatten.

Findling

Dieser Stein wurde von 35 Ahltener Bürgern in der Nacht vom 9. zum 10. Oktober 1913
mit 12 Pferden aus der Feldmark Aligse nach Ahlten geschafft, um dort als
Erinnerungsstein an die vor 100 Jahren stattgefundene Völkerschlacht bei Leipzig
aufgstellt zu werden.

Auf Anregung des Hofbesitzers und Leutnants der Reserve Heinrich Edeler wollte der Kriegerverein im Einvernehmen mit der Gemeinde den Feldstein zum Bau eines Denkmals verwenden, das an die Befreiungskriege vor 100 Jahren erinnern sollte. Die Aligser planten das gleiche. Sie weigerten sich, auf den Stein zu verzichten – und so kam es zu einigen TurbulenzenFindling Aligse, über die man auch heute noch spricht. Mit Pauken und Trompeten wurde später schließlich vor dem Kadi Frieden geschlossen. Heute steht der umstrittene Findling auf dem sogenannten Brink am Rande der Bundesstraße 443 in Aligse.

Auf dem Brink am Rande der Bundesstraße 443 erinnert in Aligse der umstrittene Findling an die Befreiungskriege Anno 1813, insgeheim aber auch an jene mit dem Kriegerverein Ahlten.

Die ganze Geschichte kam noch einmal ans Tageslicht, als vor 45 Jahren im Verlauf der Ortsplanung an der Ecke Wöhler-/Bahnhofstraße ein Denkmal umgesetzt werden musste. Dabei wurden neben Münzen auch eine Flasche Sekt sowie Zeitungen und vergilbte Schriftstücke ausgegraben. Den Sekt hatte seinerzeit der Kaufmann Heinrich Däwes gespendet und das Geld kam aus dem Portemonnaie von Heinrich Müller senior, der auch die Denkmalinschrift bezahlte. Die Steine des abgebrochenen Denkmals stehen jetzt vor der Ahltener Kapelle.

Interessant sind vor allem die ausgegrabenen Protokolle vom 26. September 1913, die einiges über die damals zerstrittenen Nachbarn verraten. Da ist die Rede davon, dass Ahlten derzeit 1600 Einwohner zählt und Hofbesitzer Hermann Barnstorf Gemeindevorsteher sei. An anderer Stelle heißt es, dass alle 14 Tage am Sonntagnachmittag ein Gottesdienst in der Kapelle gehalten wird, und zwar vom Hauptlehrer W.Korthöber, da Pastor Georg Weber aus Ilten nur dreimal im Jahr zum Heiligen Abendmahl nach Ahlten kommt. Weiter wird vermerkt, dass es bereits am Rande des Dorfes eine Haltestelle für die Staatsbahn von Hannover über Lehrte nach Berlin gibt sowie einen Anschluss an die Straßenbahn zwischen Haimar und Hannover.

Im Mittelpunkt der „Flaschenpost“ aber steht eine Schilderung um jenen umstrittenen Findling, den die Gemeinde Aligse den Ahltenern geschenkt haben sollte. Die Aligser konnten sich plötzlich nicht mehr an eine Schenkung erinnern und beschlossen, den Stein schnellstens in ihr Dorf zu holen. Das hatten die Ahltener spitz bekommen. Sie brachten bei Nacht und Nebel den Findling in Sicherheit. Doch die Freude währte nicht lange.

Die Aligser zogen vor Gericht und bekamen Recht, so dass die Ahltener „ihre Beute“ wieder herausrücken sollten. „Hoch zu Roß mit hämischer Freude und Militärmusik aus Celle“, so steht es im Protokoll, marschierten die Aligser in Ahlten ein, um im Triumphzug ihren Stein nach Hause zu holen. Der Ahltener Gemeindevorsteher aber weigerte sich, den Stein heraus zu geben, da das Gericht das Findling AhltenUrteil weder den Aligsern noch den Ahltenern schriftlich zugestellt hatte. Auch der herbeigerufene Gerichtsvollzieher musste den Ahltener Recht geben. Unverrichteter Dinge und nun von den Unterlegenen belacht, mussten die Aligser an diesem Tag abziehen.

Als Ersatz für den zurückgegebenen Aligser Findling erhielt die Ahltener einen neuen Stein, den Landwirt Friedrich Müller auf seinem Acker ausgraben ließ. Nach Abriß des Denkmals wurde dieser Stein und einige weitere zur Erinnerung am Rande der Ahltener Kapelle aufgestellt.

Später stellte sich heraus, dass der Hofbesitzer Friedrich Müller, Haus 83, einen ebenbürtigen Feldstein auf seiner Ackerkoppel vor dem Walde liegen hatte, den er jetzt zum Bau des Denkmals zur Verfügung stellte. Den Auftrag erhielt Maurermeister Heinrich Madeheim. Mit zweijähriger Verzögerung fand die Einweihung schließlich im Juni Anno 1915 Jahren statt. Nicht vermerkt ist, wann die Aligser ihren Stein endgültig in Besitz nehmen konnten. Er steht heutzutage am Rande der Straße zwischen Lehrte und Burgdorf inmitten des Dorfes und erinnert auch hier an die Befreiungskriege von 1813 bis 1815.

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